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Weihnachtsessen international: Das isst die Welt

Weihnachten kommt näher und die Straßen sind nicht nur voll mit Schneegestöber, sondern auch mit Suchenden, die Regale nach Geschenken durchstöbern. Eine der wichtigsten Fragen zu Weihnachten ist dabei immer schnell geklärt: Was soll es zu essen geben?

In den allermeisten Fällen gibt es am 24.12 ein traditionelles Gericht wie Ente, Gans oder Kartoffelsalat — Grübeln überflüssig. Wie sieht aber Weihnachtsessen international aus? Um dafür Antworten zu bekommen, gehe ich wie folgt vor: Ich drehe viermal unseren Globus und stoppe ihn mit dem Finger. Da, wo der Finger landet, gucke ich mir die Weihnachtsbräuche genauer an.

Um das Ganze persönlicher zu machen, suche ich mir für jedes Land jeweils einen weit verbreiteten Namen aus, um mit einem seiner Träger ein fiktives Interview zu führen. Du wirst sehen, dass dieses je nach Stresspegel des Landsmannes mal mehr, mal weniger ausführlich ausfällt.

 

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Amerikanisches Weihnachtsessen in Detroit

Als Erstes treffe ich Marshall aus Detroit in Michigan, USA. Er hat gerade eine Minute Zeit und beantwortet mir ein paar Fragen:

LH: Hi, Marshall. Wie war dein Jahr 2017?
Marshall: Ach, stressig. Im Sommer war ich ein paarmal in Europa und habe parallel im Job an einem großen Projekt gearbeitet, das ich am 15.12. abschließe. Ich freue mich auf die besinnlichen Tage danach.
LH: Das glaube ich dir. Wie wirst du die Tage verbringen?
M: Meine Tochter hat am 25.12. Geburtstag: Der Tag wird also etwas Besonderes. Ansonsten geht es ganz klassisch zu bei uns — roter Truthahn mit der klassischer Füllung aus Maisbrot, Sellerie und Zwiebeln. (Anmerkung: 22 Millionen Truthähne landen an Weihnachten auf den amerikanischen Esstischen) Letztes Jahr haben wir mit Pancetta, Orangenschale und Maronen experimentiert.
LH: War nicht so gut?
M: Sagen wir so: Ich bin froh, dass wir wieder zum klassischen Rezept zurückkehren…
LH: Verstehe … Was ist noch typisch an eurem Weihnachten?
M: Ach naja, die Beilagen: Auflauf aus grünen Bohnen, Kartoffelsalat und der Eierpunsch – Egg Nogg – als Getränk.
LH: Eierpunsch?
M: Klar! Die Tradition kam wohl damals aus England mit rüber zu uns. Der besteht klassisch aus Milch, Sahne, Zucker, Eigelb und Rum. (Anmerkung: In den USA werden tatsächlich ca. 6000 Tonnen Eierpunsch getrunken, zwar übers Jahr verteilt aber mit Höhepunkten an Thanksgiving und Weihnachten.)
LH: Spannend. Geschenke werden bei euch ja erst am 25.12. ausgepackt, richtig?
M: So ist es. Das ist immer ein großes „Ah” und „Ohhh” und manchmal auch ein großes „Aiiii!”, wenn es das neue iPhone gibt …(Anmerkung: Tatsächlich gibt der Amerikaner im Durchschnitt 906 $ für Weihnachtsgeschenke aus!)
LH: Haha … Hauptsache die Geschenke landen nicht direkt im „iMer” ;). Ich sage „Danke!” und wünscher eine schöne Weihnacht!
M: Nichts zu danken, dir auch!

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Weihnachtsessen in Japan

Ich lande mit dem Finger auf Japan, genauer in Yokohama, wo ich Akina treffe. Die ist ziemlich im Stress, da sie noch versucht, eine Sitzplatzreservierung in einem KFC für Heiligabend zu bekommen.

Ganz richtig. Japan ist buddhistisch geprägt und feiert die Tradition um die Geburt des Christkindes nicht. Geschenke sind aber immer willkommen und KFC hat in den 80ern die Chance genutzt und mit dem Slogan „Kurisumasu ni wa kentakkii!” (etwa: „Kentucky zu Weihnachten!”) einen Markt für sich erschlossen.

Etwa 3.5 Millionen japanische Familien verbringen so jedes Jahr ihr Weihnachten bei KFC. Meist sind dort alle Tische schon Anfang Dezember reserviert, was trotzdem keine langen Schlangen am 24.12. verhindert … Heiligabend ähnelt dort aber nicht nur in puncto Weihnachtsessen eher dem internationalen Valentinstag, denn er ist in Japan kein offizieller Feiertag.

Die KFCs sind übrigens immer weihnachtlich geschmückt und nach Angaben des Unternehmens ist der Verkauf zu Weihnachten für ein Drittel des Jahresumsatzes verantwortlich. Was nicht verwundert, wenn man sich die Preise anschaut: Die Standardversion der Chicken-Box kostet circa 28 €, die Premiumversion sogar rund 50 €.

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Weihnachten in Südkorea

Nicht viel weiter geht es nach Südkorea. Ich treffe Kim. Er wird Weihnachten mit seiner Freundin verbringen. Die heißt auch Kim. „Eine witzige Fügung des Schicksals!”, erzählt er mir. Von ihm erfahre ich auch, dass Weihnachten in Südkorea eher ein Fest für Freundschaften oder Paare ist und dazu auch sehr kitschig. Es gibt super viel Beleuchtung, Weihnachtsschmuck, Glockengebimmel und noch der kleinste Friseursalon spielt laut Weihnachtsmusik.

Im Kern sei Weihnachten hier aber wirklich christlich und nicht nur dem im Westen nachempfunden. Immerhin sind 30 % der Südkoreaner Christen und der 25.12. ist daher auch hier ein gesetzlicher Feiertag. Zu essen gibt es entweder zu Hause zubereitete koreanische Gerichte oder im Restaurant charakteristisch westliches oder internationales Weihnachtsessen. Was aber in keinem Fall fehlen darf: ein bunt dekorierter Weihnachtskuchen.

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Tomasz über polnisches Weihnachtsessen

Von Südkorea geht es wieder zurück nach Europa, genauer: nach Polen. Weihnachten wird hier immer noch sehr traditionell gefeiert. Das fängt bei der Auswahl der Rezepte an (häufig werden die schon seit Generationen in der Familie weitergegeben) und geht bei der Tagesplanung weiter: Den Weihnachtstag über wird gefastet, so erzählt uns Tomasz, aber abends dann umso mehr gespeist — immerhin zwölf verschiedene Gerichte landen auf dem Tisch.

Diese Zahl ist natürlich kein Zufall: Jesus hatte zwölf Apostel. Außerdem gilt die Regel, dass der Wohlstand im nächsten Jahr umso größer wird, je mehr Essen auf den Tisch kommt. Der Verzicht auf Fleisch macht das Ganze allerdings kompliziert. Denn Ente und Co. gibt es erst an den Tagen nach dem 24.12. Am Heiligabend selbst gibt es meist Karpfen (und Suppe, Sauerkraut mit Pilzen oder Erbsen oder Piroggen, Brot, Oblaten, gefüllte Eier, Salate sowie Heringe in Öl) .

Leichter wird es wiederum dadurch, dass schon die Oblate als ein eigenes Gericht gilt. Gegessen wird übrigens erst, wenn der erste Stern am Weihnachtshimmel zu sehen ist — Tomasz hatte als Kind den Job, den Himmel nach ihm abzusuchen und dann das Weihnachtsessen offiziell zu eröffnen.

Das war sie, unsere kleine Weltreise zur Frage: „Weihnachtsessen international, wie isst die Welt?” Was übrigens auch noch spannend ist: Auf den Weihnachtsinseln im Indischen Ozean wird kein Weihnachten gefeiert und demzufolge auch kein Weihnachtsschmaus verzehrt. Warum sie dann so heißt: Wegen des Tages, an dem sie entdeckt wurde: Am 25. Dezemeber 1643.

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