Ulkige Essensnamen – Lustiges aus den Untiefen der Küchen der Welt

Wenn du als Kind schon einmal in der Schulkantine mit „Toter Oma“ konfrontiert wurdest, weißt du, was für skurrile Namen deutsche Gerichte manchmal tragen. Einige sind schräg, andere obszön oder makaber, aber häufig bringen sie dich einfach zum Lachen. Gerichte mit ulkigen Namen gibt es zuhauf – nicht nur in der deutschen Küche. Komm mit auf eine Reise ins komische Kuriositätenkabinett der Essensnamen.

Deutsche Küche kann auch lustig sein


Von Nord bis Süd, von Ost bis West – was das Essen angeht, waren die Deutschen seit jeher witzig drauf. Es fängt ja schon beim Rollmops an. Da denkst du gar nicht mehr drüber nach, dass der Hering nun wirklich wenig mit dem Mops zu tun hat. Andere lustig klingende Gerichte sind da eher regional vorzufinden und für den Einheimischen ganz normal, während sich der Besuch vor Lachen nicht mehr einkriegt.

Mundart und Dialekt sind schon was Feines und können für reichlich Verwirrung und Gelächter sorgen. Was der Berliner zum Beispiel als Schlimme-Oogen-Wurst (hochdeutsch: Schlimme-Augen-Wurst) bezeichnet, kennen die Bewohner anderer Bundesländer schlicht als Blutwurst. Dafür lachen sich die Norddeutsche scheckig, wenn Schwaben ihnen etwas von Herrgottsbscheißerle erzählen, denn wohl die wenigsten wissen, dass es sich dabei um herkömmliche Maultaschen handelt.

So berichtete mir neulich eine süddeutsche Freundin von ihrem Gespräch mit einer Berlinerin.

“Kommst du heute zum Abendessen vorbei? Es gibt Hoppelpoppel?”
“Hahaha, was soll das denn bitte sein?!”

Hoppelpoppel – Resteessen deluxe

Davon hatte ich allerdings selbst noch nicht gehört. Dabei handelt es sich doch um ein typisches (Ost-)Berliner Gericht. Das zum Glück auch ganz ohne hoppelnde Kleintiere auskommt und sehr leicht zuzubereiten ist. Du nimmst einfach Bratkartoffeln, Bratenreste, Eier und Sahne, wirfst alles in eine Pfanne und brätst es zusammen an – fertig ist das Hoppel. Es ist dem Bauernfrühstück also gar nicht unähnlich, nur dass es bei letzterem etwas geordneter in der Pfanne zugeht. Woher kommt aber der ulkige Name? Hoppelpoppel ist nun mal ein Resteessen, bei dem “popelige” Reste verarbeitet werden, bevor sie “hopsgehen”, also verderben. Auf solch eine Wortschöpfung können auch nur Berliner kommen.

Tote Oma – Kann man das wirklich essen?

Von Kindern verhasst, von vielen Erwachsenen auch, ist das Gericht mit dem morbiden Namen Tote Oma. Wenn das mal nicht lecker klingt – Betonung auf “nicht”. Wer noch nie etwas von Toter Oma gehört hat, kennt das gut bürgerliche Gericht eventuell eher als Topfwurst oder Lose Wurst. Als Hauptzutat dient dafür entweder eine Blut- oder eine Grützwurst. Die Wurst wird aufgeschnitten, vom Darm befreit und anschließend gebraten, bis eine breiige Masse entsteht. Fertig ist die Lose Wurst. Der Anblick dieser Spezialität ließ viele Menschen wohl an einen Verkehrsunfall oder eben die Tote Oma denken. In Ostdeutschland ist das Gericht auch heute noch unter dem Namen geläufig. Für Freunde des schwarzen Humors also definitiv ein sehr ulkiger Essensname.

Grünkohl und Pinkel oder lieber Rinderpümmel?

Phallusförmiges Essen regt sowieso schon seit Anbeginn der Zeit zu gewissen Assoziationen an. Und wenn Grünkohl mit Pinkel serviert wird, kommt einfach wieder der kleine Junge in mir zum Vorschein und ich kann mir ein Kichern kaum verkneifen. Dabei handelt es sich doch beim Pinkel lediglich um eine Art von Grützwurst – und diese Wurst wird halt sehr gerne zusammen mit Grünkohl serviert. Fertig ist das ganze Gericht.

Woher kommt nun aber der Name Pinkel? Dazu gibt es heute mehrere Erklärungsversuche, die sich auf Wörterbücher aus dem 17. und 18. Jahrhundert berufen. Der Begriff Pinkel (bzw. die Abwandlungen Püngel und Pünkel) stand entweder für eine zusammengedrängte Masse bzw. einen kurzen, dicken Gegenstand oder er bezieht sich auf den Mastdarm des Rindes (damals Pinker), welcher auch heute noch als Wursthülle verwendet wird. Für Fleischfreunde und Wurstfans gibt es da also absolut nichts zu beanstanden.
Grünkohl und Pinel mit angerichtet mit Bratkartoffeln

Noch einen Zacken schärfer, was die Namensgebung betrifft, kommt aber der Rinderpümmel um die Ecke. Ja, richtig gelesen, Rinderpümmel heißt das gute Stück – mit “ü”- wohlbemerkt.

Rinderpümmel ist eine regionale Spezialität aus dem Sauerland und hat auch nichts mit der ersten Assoziation zu tun, die du jetzt vielleicht hast. Das Wort Pümmel kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet so viel wie “dick und rund”. Das beschreibt das Aussehen dieser Rinderwurst ganz gut, denn sie wird ganz klassisch im Darm abgefüllt und zu Ringen gebunden. Die Hauptzutat ist herkömmliches Rindfleisch und der Rinderpümmel ähnelt, sowohl von der den Zutaten als auch von der Herstellung her, einer Grützwurst. Gegesssen wird sie entweder schlicht mit Brot und Senf oder als Mittagsgericht mit Zwiebeln, Gurken und Bratkartoffeln.

Die gebratene Wurst wird auf dem Teller aus dem Darm befreit und zusammen mit den Beilagen gegessen. Manche Sauerländer bereiten Rinderpümmel allerdings auch so zu wie Tote Oma: Sie schneiden die Wurst auf und braten die Wurstmasse direkt in der Pfanne.

Himmel un Ääd – Wenn der Himmel auf die Erde trifft

Im Rheinland sagt man mundartlich Himmel un Ääd, im Rest der Republik einfach Himmel und Erde. Wie es der Zufall will, gehört auch bei diesem lustig klingenden Schmankerl Blutwurst dazu. Doch was genau ist Himmel und Erde? Hinter der lustigen Bezeichnung verbirgt sich die Kombination aus Kartoffelpüree und Apfelmus, zusammen angerichtet mit gebratener Blutwurst. Dabei handelt es sich regelrecht um einen Klassiker der deutschen Küche, denn die Zubereitung von Himmel und Erde geht zurück bis ins 18. Jahrhundert. Die verwendeten Kartoffeln werden auch heute noch in einigen Regionen als Erdäpfel bezeichnet – sie symbolisieren hier also die Erde. Und die Äpfel für das Apfelmus – die hängen halt am Baum und stehen dementsprechend für den Himmel. Ist doch logisch – wenn man es weiß.

Nonnenfürzle – Viel Wind um nichts?

Nonne sagt: "Nein."
Auch Schmalzgebäck trägt manchmal komische Namen. Denn Nonnenfürzchen bzw. Nonnenfürzle sind eine Köstlichkeit aus frittiertem Brandteig. Erste Aufzeichnungen über das Schmalzgebäck mit dem ulkigen Namen reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert – aber warum habe ich dann noch nie etwas davon gehört? Das liegt eventuell daran, dass Nonnenfürzle vor allem in Süddeutschland bekannt und beliebt sind. Sie werden traditionell stets zur Fastnacht hergestellt.

Natürlich hat auch dieser skurrile Name nichts mit eventuellen Flatulenzen der Ordensschwestern zu tun. Die, an Windbeutel erinnernden, Nonnenfürzlein wurden im Mittelalter in Klöstern zubereitet, was den Bezug zu den Nonnen erklärt. Und “Fürzlein” leitet sich wohl vom französischen Wort für Füllung ab (fr.: farce). So beschrieben es schon die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch.

Ich bin allerdings kein Sprachforscher, darum werde ich wohl auch das nächste Mal wieder grinsen müssen, wenn mein Kollege mir von frisch gebackenen Nonnenfürzchen erzählt.

Ulkige Essensnamen auf der ganzen Welt

Geht es nur mir so oder ist unsere Liste der ulkigen Essensnamen ganz schön wurstlastig geworden? Tja, Würste in allen Variationen gehören halt zur typisch deutschen Küche. Da wird es doch mal Zeit über den heimischen Tellerrand hinauszublicken.

Spotted Dick – Ein gefleckter …

… Pudding. Ich gebe es zu, das typisch englische Dessert Spotted Dick ist mein heimlicher Favorit in unserer kulinarischen Kuriositätensammlung. Doch ich bin sicher nicht der einzige, der schmunzeln muss, wenn er diesen Namen liest. Was bitte ist denn nun der Spotted Dick? Also, pass auf! Es handelt sich um eine britisches Dessert, einen mit Rosinen versetzten Pudding, der meisten mit Englischer Creme (Custard) serviert wird. Die Rosinen im Pudding sorgen für die namensgebenden Flecken (engl.: Spots), aber warum denn jetzt Dick – ein in der englischen Sprache eindeutig zweideutiger Begriff? Im 19. Jahrhundert war der Begriff “Dick” scheinbar die Bezeichnung eines “einfachen Puddings” und der Spotted Dick ist schlichtweg ein gefleckter Pudding.

Strozzapreti – Bitte nicht den Priester würgen

Strozzapreti - zu deutsch: Priesterwürger
Die Italiener sind nicht nur sehr gute Köche, sie sind auch sehr kreativ bei der Namensfindung ihrer Gerichte. In der italienischen Küche findest du auf Anhieb einige ulkige Namen. Du kennst vielleicht schon Saltimbocca – “Spring in den Mund!” – oder Spaghettti alla Puttanesca – die “Spaghetti nach Hurenart”, aber kennst du auch Strozzapreti? Das ist eine Art von Pasta, deren Name übersetzt “Priesterwürger” bedeutet. Aber eine Nudel bringt doch keinen Priester um! Woher kommt also der merkwürdige Name?

Um diese Frage ranken sich zahlreiche Mythen. Eine beliebte Erklärung, die auch für die hervorragenden Geschmack der italienischen Pasta spricht, lautet, dass einige nimmersatte Priester die frisch zubereiteten Nudeln dermaßen in sich hineinschlangen, dass sie daran erstickten. Sie wurden quasi von den Nudeln erwürgt. Eventuell erinnern die kurzen, gedrehten Nudeln allerdings auch an den weißen Stehkragen eines Geistlichen, der wenn er zu eng ist, ebenfalls den Priester “würgt”. Ganz gleich, wie es sich zugetragen hat, du kannst dich heute über die leckere Pastasorte mit dem witzigen Name freuen.

Imam Bayildi – Warum der Imam in Ohnmacht fiel

Auch in der türkischen Küche findest du Gerichte, die ulkige Namen tragen, die außerdem auch noch super lecker sind. Das Auberginengericht Imam Bayildi ist so ein Fall, denn auf Deutsch bedeutet der Name so viel wie “der Imam fiel in Ohnmacht”. Imam Bayildi sind gefüllte Auberginenhälften, die mit reichlich gutem Olivenöl im Ofen geschmort werden. Die Füllung ist eine Mischung aus Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen. Und wenn dir bei dem Gedanken jetzt das Wasser im Munde zusammenläuft, dann pass auf, dass es dir nicht so ergeht, wie dem Imam in der Legende. Denn die Legende zur Namensgebung des Gerichts besagt, dass der Iman vor Verzückung direkt in Ohnmacht fiel, als ihm seine Frau dieses Gericht auftischte. Dieses Kompliment an die Köchin ist wohl schwer zu toppen.
Imam Bayildi - zu deutsch: der Imam fiel in ohnmacht

So viele Gerichte, so wenig Zeit

„Treffen sich ein Falscher Hase, ein Kalter Hund und ein Strammer Max …“, so könnte diese Aufzählung weitergehen, denn es gibt noch unzählige Gerichte mit ulkigen Namen zu entdecken. Bei welchem Gericht hast du denn das letzte Mal ordentlich lachen müssen, als du den Namen gehört hast?

Ich habe jetzt jedenfalls Hunger bekommen und besorge mir erst einmal ein Fleischpflanzerl – ach Mensch, ‘ne Boulette meine ich doch. Dieser kleine Food-Exkurs hat mich ganz kirre gemacht.

Wenn es dich interessiert ob es jetzt Boulette oder Frikadelle heißen muss, dann schau doch mal im Lecker-Lexikon vorbei. Da findest du mit Sicherheit auch noch das ein oder andere Gericht zum Schmunzeln.

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